Meine Daten, meine Rechte!

Finger weg von den Daten unserer Kids in der Schule!

Um was geht es?

Datenschutz an Schulen. Jetzt ist es raus, das schlimme Wort mit „D“. Rennt bitte nicht weg, denn es ist wichtig und wir versuchen uns kurz zu fassen!

Neue Stellungnahme April 2021

Da es bei der Bildungsplattform in BaWü nicht vorangeht, haben wir in einer neuen Stellungnahme die aus unserer Sicht wichtigsten Aktionspunkte zusammengefasst: landeseigene Schul-IT-Infrastruktur, Erweiterung der bestehenden Open-Source-Komponenten um eine Dateiablage, Maillösung und eine einfache Benutzerverwaltung, sowie bessere Aus- und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte bei digitalen Themen. Der gesamte Text der Stellungnahme unter: www.unsere-digitale.schule

Und so schnell kanns gehen. Noch im Lauf des Tages erreichte uns die Nachricht, dass der LfDI kein grünes Licht für die Einführung von Schulen in BW gibt! „Ella“ 2.0: Bildungsplattform mit Microsoft-Programmen steht in Baden-Württemberg vor dem Aus (Axel Habermehl) https://bnn.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/ella-20-schul-bildungsplattform-von-microsoft-steht-in-baden-wuerttemberg-vor-dem-aus

Und jetzt haben wir es auf vielen Seiten zumindest mal schriftlich, dass Lösungen an Schulen in BW datenschutzkonform sein müssen (ab S. 60) https://jetztfuermorgen.de/

Und jetzt hat auch noch der LfDI bestätigt, dass Microsoft 365 in der aktuellen Version nicht datenschutzkonform an Schulen eingesetzt werden kann: https://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/lfdi-raet-aufgrund-hoher-datenschutzrechtlicher-risiken-von-der-nutzung-der-geprueften-version-von-microsoft-office-365-an-schulen-ab/

Was ist passiert?

Wir haben die Digitalisierung an Schulen jahrzehntelang verschlafen. Der Corona-Lockdown hat uns über Nacht deutlich gemacht, dass wir in den 1980er Jahren stehen geblieben sind, was digitale Infrastrukturen, Tools und Methoden an deutschen Schulen angeht.

Bereits in der ersten Woche des neuen Schuljahrs 2020/21 mussten zwei Schulen Corona-bedingt den Präsenzunterricht einstellen. Damit hat sich bewahrheitet, was Kids, Eltern und Lehrkräfte seit längerem befürchten: auch im neuen Schuljahr wird sich Fernunterricht nicht vermeiden lassen.

So absehbar diese Entwicklung war, so wenig vorbereitet ist der Verwaltungsapparat rund um das Schulwesen auf diese Situation. Noch immer gibt es kaum offizielle Empfehlungen oder Lösungen für den digitalen Unterricht. Darüber hinaus wurden Firmen die Türen ins Schulwesen geöffnet, die eines nicht bieten können: Transparenz und damit Sicherheit darüber, was mit den Daten unserer Kinder passiert, wenn diese Angebote zum Einsatz kommen. Wie lückenhaft der Datenschutz vieler kommerzieller Angebote ist, hat die Analyse von Videokonferenzlösungen der Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit gezeigt. Warum der Datenschutz an Schulen nicht als optional betrachtet werden darf, hat Professor Frank Rosenkranz in einem Interview beantwortet: Schule: Ist die Bildung der Kinder wichtiger als der Datenschutz? Dass dieses Frage im Jahr 2021 immer noch gestellt wird, ist ein Zeichen für die leider immer noch desolate Digitalkompetenz in unserem Land.

Ergänzung Mai 2021: Wir sind mittlerweile ein gutes Stück weiter gekommen, mit den Forderungen nach mehr Datenschutz an Schulen. Der Koalitionsvertrag 2021 enthält umfangreiche Pläne dazu und auch der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hat offiziell erklärt, dass Microsoft 365 sich in der aktuellen Version nicht datenschutzkonform einsetzen lässt. Damit ist eine gute Grundlage gelegt. Dennoch bleibt noch ein weiter Weg, bis alle Forderungen auch in der Praxis umgesetzt sind.

Forderungen

  1. Einhaltung des europäischen Datenschutzrechts – denn alles andere wäre ja auch illegal, oder? Im Auge zu behalten sind hier vor allem Nicht-EU-Firmen, bei denen es zu einer Datenverarbeitung im Ausland kommt.
  2. Lückenlose Transparenz der Datenverarbeitung – ergibt sich eigentlich aus 1. soll aber hier noch einmal betont werden. Nur wenn ich zu 100% weiß, welche Daten wie und wo verarbeitet werden, kann ich garantieren, dass es zu keiner missbräuchlichen Verwendung der Daten kommt.
  3. Keine Testläufe – Sind Daten einmal in einem System gelandet, das sich als nicht-rechtskonform erweist, können daraus unter Umständen nicht mehr entfernt werden. Deswegen darf es keine Testläufe an Schulen mit echten Daten von Kindern und Jugendlichen geben. Hier gibt es nichts zu testen. Ein Unternehmen, das im Vorfeld nicht darlegen kann, wie die Daten genutzt werden, kann den Punkten 1. und 2. nicht entsprechen.
  4. Sensibilisierung für die Bedeutung des Datenschutzes – Warum mussten wir diese Seite ins Leben rufen? Weil bei vielen Akteuren im Schulwesens keine ausreichendes Wissen zum Thema Datenschutz und keine Sensibilität vorhanden ist, welche Auswirkungen es haben kann, wenn Daten missbraucht werden.
  5. Bewährtes fördern – in den vergangenen Monaten haben unzählige Schulen unter Beweis gestellt, dass digitale Infrastruktur auch datenschutzkonform umgesetzt werden kann. Tools, wie Moodle, Nextcloud oder BigBlueButton haben sich im Schulbetrieb bereits bewährt. Dieses Wissen muss zentral zusammengeführt und allen Schulen zur Verfügung gestellt werden.
  6. IT ist kein Hobby für Lehrkräfte – Um IT sicher und rechtskonform umzusetzen, braucht es flächendeckend Fachkräfte oder eine zentral bereitgestellte Infrastruktur. Man kann nicht von Lehrkräften erwarten, dass sie ein IT-System von der Größe eines mittelständischen Unternehmens neben ihrer Lehrtätigkeit am Laufen halten.
  7. Umsetzung der DSGVO an allen Schulen – Dies gilt vor allem für die Erstellung des Verzeichnisses von Verarbeitungstätigkeiten nach Art. 30 der DSGVO, sowie der Dokumentation der technischen und organisatorischen Maßnahmen nach Art. 31 Absatz 1 DSGVO. Dieser Punkt ergibt sich eigentlich aus 1 und 2, soll aber an dieser Stelle ausdrücklich noch einmal hervorgehoben werden. Diese konkrete Anforderung wurde bisher scheinbar an nur wenigen Schulen umgesetzt. In einem ersten Schritt sollte deswegen ermittelt werden, wo diesbezüglich noch Lücken sind. In einem zweiten Schritt müssen Schulen externe Beratung erhalten, um durch diesen Prozess geführt zu werden. Lehrkräfte und Schulbedienstete, die im Rahmen dieses Prozesses zuarbeiten, müssen zeitliche Freiräume erhalten. Wünschenswert wäre es, Schülerinnen und Schüler in diesen Prozess einzubeziehen.

Datenschutz und Datensicherheit ist nur ein Aspekt, den es bei der digitalen Ausstattung von Schulen und der digitalen Bildung zu berücksichtigen gilt. Im Bereich Information findet ihr weiterführende Links, u.a. zu den Themen digitale Diversität lehren, Lock-in-Effekte vermeiden, effiziente und nachhaltige Gerätenutzung. Unbeantwortet bleibt bisher auch die Frage, ob es legitim ist, in einem weitgehend steuerfinanzierten Schulsystem Produkte von Unternehmen einzusetzen, die diesen Steuertopf nicht mit füllen. Und um was es im Kern eigentlich gehen sollte, bringt Sir Ken Robinson hier in 20 wertvollen Minuten auf den Punkt: https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_learning_revolution#t-1039566

Aktuelle Meldungen

04.06.2021 Schule digital: Medien(bildungs)konzepte – ohne geht’s nicht (Maik Riecken) https://www.heise.de/hintergrund/Schule-digital-Medien-bildungs-konzepte-ohne-geht-s-nicht-6059000.html?seite=all

02.06.2021 Aus für Microsoft „Teams“ an hessischen Schulen (Jens Borchers und Oliver Günther) https://www.hr-inforadio.de/programm/themen/datenschutz-versus-bildung-aus-fuer-microsoft-teams-an-hessischen-schulen,datenschutz-an-schulen-100.html

31.05.2021 Schrems II und die Folgen für die Nutzung von Bürosoftware (wie z.B. MS Teams) in Deutschland, Talkgast: Dr. Stefan Brink (Data Agenda Podcast) https://dataagenda.de/schrems-ii-und-die-folgen-fuer-die-nutzung-von-buerosoftware-in-deutschland/

Stellungnahme des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport
Anbindung von Schulen an das Landeshochschulnetz BelWü https://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP17/Drucksachen/0000/17_0015_D.pdf

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Inhalte dieser Seite

  • Infos für Eltern
    • Was können Eltern und Kids tun? Wie können sich Eltern und Schülerinnen und Schüler gegen unrechtmäßige Datenverarbeitung wehren? Vieles kann man unkompliziert online erledigen.
    • Erfahrungsberichte: von Eltern und Schülerinnen und Schülern, die sich gegen fragwürdige Software an Schulen wehren
    • Häufige Fragen: Warum ist der Schutz von Daten überhaupt wichtig? Welche Möglichkeiten haben Familien? u.v.m.
  • Mehr erfahren
  • Aktuelles: aktuelle Artikel, Pressemitteilungen und sonstige Veröffentlichungen rund um die Themen Datenschutz, Bildungsplattform, Digitalisierung an Schulen
    • Anfragen: Liste aller Anfragen bei „Frag den Staat“
  • Echte Alternativen: Wie digitale Technologien an Schulen datenschutzkonform eingesetzt werden können

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